Belarussische und russische Diplomaten ehrten in Österreich das Andenken an den Häftling des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Michail Horbatenko
24.07.2026 г.Kein Recht auf Vergessen: acht Jahrzehnte nach dem Krieg ehrten belarussische und russische Diplomaten in Österreich das Andenken eines Häftlings des Konzentrationslagers Mauthause
Belarussische und russische Diplomaten ehrten in Österreich das Andenken an den Häftling des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Michail Horbatenko.
Es ist das Schicksal eines Mannes, über dessen Verbleib seine Familie mehr als 80 Jahre lang nichts wusste. Mit Beginn des Großen Vaterländischen Krieges wurde Michail Horbatenko von den deutschen Besatzungsbehörden zwangsweise nach Deutschland verschleppt. Danach brach der Kontakt zu ihm ab, und sein weiteres Schicksal blieb über viele Jahrzehnte unbekannt.
Erst im Jahr 2016 konnten dank der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Suchdienst in Deutschland erste fragmentarische Informationen über das Schicksal Michail Horbatenkos erlangt werden.
Im Jahr 2026 legte das Wiener Forschungszentrum „Pamyat“ (Erinnerung) vollständige Archivunterlagen vor, die es ermöglichten, seine Lebensgeschichte sowie die Umstände seiner Inhaftierung und seines Todes im Außenlager Melk des Konzentrationslagersystems Mauthausen endgültig zu rekonstruieren.
Mit Unterstützung der Botschaft der Republik Belarus in Österreich wurde für den Neffen des sowjetischen Soldaten – Wassili Petrowitsch Horbatenko, Generalmajor der Grenztruppen von Belarus im Ruhestand – eine Reise nach Österreich organisiert, um den Ort zu besuchen, an dem sein Onkel ums Leben kam.
Im Rahmen eines vom Russischen Haus für Wissenschaft und Kultur in Wien veranstalteten Gedenkabends schilderte Wassili Petrowitsch die Geschichte seiner Familie, den jahrzehntelangen Weg der Suche nach seinem Onkel und die Rekonstruktion seines Schicksals mehr als acht Jahrzehnte nach Kriegsende. Die Leiterin des Forschungszentrums „Pamyat“, Julia Egger, berichtete ausführlich über den Ort, an dem sich die sterblichen Überreste des Opfers des NS-Regimes befinden.
Hintergrund
Das Konzentrationslager Melk wurde am 20. April 1944 als Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen errichtet.
In achtzehn Unterkunftsbaracken waren unter extremen Bedingungen der Überbelegung mehr als zehntausend Menschen untergebracht. Täglich wurden die Häftlinge durch die gesamte Stadt zur Zwangsarbeit getrieben. Im Rahmen des geheimen Projekts mit dem Decknamen „Quarz“ mussten sie ein weitverzweigtes unterirdisches Tunnelsystem in der Umgebung von Melk errichten sowie das Lager auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne ausbauen.
Während seines Bestehens wurden mehr als 14.000 Häftlinge durch das Lager Melk gebracht. Etwa 30 Prozent von ihnen waren nach der nationalsozialistischen Klassifizierung Juden. Die größten nationalen Gruppen bildeten Häftlinge aus Polen, Ungarn, der Sowjetunion, Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland und Jugoslawien.
Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung betonten, dass derartige Erinnerungsinitiativen dazu beitragen, das historische Gedächtnis an die Tragödie des Zweiten Weltkriegs zu bewahren und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bewahrung des historischen Gedächtnisses, dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sowie der Unterstützung von Familien gewidmet, die weiterhin nach Informationen über das Schicksal ihrer Angehörigen suchen.
Hintergrund
Wassili Petrowitsch Horbatenko ist Generalmajor der Grenztruppen im Ruhestand und Veteran des Afghanistan-Krieges. Er diente in den Grenztruppen der USSR und später der Republik Belarus in verschiedenen Führungspositionen. Seine letzte militärische Funktion war die des Stellvertretenden Kommandeurs der Grenztruppen der Republik Belarus.
Von 2006 bis 2010 war er offizieller Vertreter des Staatlichen Grenzkomitees der Republik Belarus in Russland sowie Berater an der Botschaft der Republik Belarus in Russland. Von 2013 bis 2017 leitete er die Außenstelle der Botschaft der Republik Belarus in Kaliningrad. Im Jahr 2026 wurde er mit der Gedenkmedaille „100 Jahre Diplomatischer Dienst der Republik Belarus“ ausgezeichnet.
Derzeit ist er stellvertretender Generaldirektor des Pharmaunternehmens „Pharmland“.

